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Die Flamenco Gitarre

 

Konstruktion

Der unterschiedliche Klang von Flamencogitarre und Klassischer Gitarre wird, außer durch die Spielweise und den Kapodaster (span. cejilla), hauptsächlich durch zwei Faktoren bestimmt. Zum einen durch das Material, zum anderen durch die Konstruktion.

Flamencogitarren haben einen etwas kleineren Corpus als die klassischen Gitarren, sowohl durch schmalere Zargen, als auch durch die Maße von Decke und Boden beeinflußt. Dadurch klingen Flamencogitarren in der Regel etwas leiser als klassische Gitarren und haben weniger Baßcharakter. In der Mensur (Länge der schwingenden Saite vom Steg bis zum Sattel) liegen die Flamencogitarren natürlich genau so wie die klassischen Gitarren durchschnittlich bei 650 mm. Bei längerer Mensur erscheint die Saite härter durch die höhere Spannung. Da Flamencogitarren eine flachere Saitenlage haben sollten, muß man bei kürzeren Mensuren aufpassen, daß die Saiten nicht klirren und ist gegebenenfalls auf härtere Saiten angewiesen. Daß Flamencogitarren kleiner sind als klassische Gitarren wird man meistens erst feststellen, wenn man sie in einen Gitarrenkoffer legt, der ja meistens für die normalen klassischen Instrumente konstruiert sind. Beim Kauf eines Koffers sollte daher die Flamencogitarre immer mitgenommen werden.

Flamencogitarren sind nicht nur kleiner, sondern auch sehr viel leichter als klassische Gitarren. Das liegt einerseits an der Größe, andererseits aber auch an den Hölzern, die für die Flamenco-Gitarre verwendet werden. Die Decke (span. tapa) der Flamencogitarre ist in der Regel aus Fichte (span. pinabete), so wie auch die der meisten klassischen Instrumente. Die Zargen und der Boden, in der Regel aus demselben Holz, sind bei Klassischen Gitarren meist Palisander (span. palo santo), bei der Flamencogitarre Zypresse (span. ciprés). So kann man Flamencogitarren leicht auch an der Farbe erkennen. Helle Seiten und Boden sprechen für eine Flamencogitarre, daher nennt man sie auch im spanischen "guitarra blanca". Allerdings gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel. Viele Gitarristen, vor allem wenn sie aus der Klassik kommen, bevorzugen die sogenannte "guitarra negra". Sie stellt eine Mischform aus klassischer und Flamencogitarre dar: Die Konstruktion einer Flamencogitarre aus dunklen Hölzern. Aber auch innerhalb der reinen Flamencogitarren gibt es kleine Unterschiede. Gitarristen, die Tanz begleiten, bevorzugen oft eine Gitarre mit Zederndecke (span. cedro), die der Gitarre ein großes Volumen verleiht. Die Zederndecke wird in der Regel mit Zargen und Boden aus Fichte versehen.

Eine weitere Eigenheit der Flamencogitarre ist neben dem Schlagschutz (span. golpeador) die Mechanik aus Holz, die sehr an Streichinstrumente erinnert. Da die Gitarre mit Holzwirbeln (span. clavijas) aber anfangs nicht leicht zu stimmen ist, werden heute die Gitarren in der Regel mit den normalen Metallmechaniken bestückt. Holzmechaniken sind auf jeden Fall sehr viel schöner und echter und machen die Gitarre zu etwas Besonderem.

 

Kauf einer Flamenco-Gitarre

Den Preis einer Flamencogitarre machen vor allem drei Faktoren aus: einmal die Sauberkeit der Verarbeitung, zum zweiten die Auswahl der Hölzer, vor allem die der Decke, und drittens der Name des Gitarrenbauers (span. guitarrero). Man unterscheidet grob zwei Arten von spanischen Flamencogitarren bzgl. ihrer Herstellung: die guitarra de fábrica oder guitarra de Valencia (da die meisten größeren Manufakturen sich in dieser Region befinden) und die guitarra hecho de mano, die in Handarbeit hergestellte Gitarre. Die Manufakturen in Valencia produzieren im großen Stil für den Weltmarkt Gitarren mit hervorragender Verarbeitung zu sehr günstigen Preisen und in standardisierter Qualität. Die Produktion ist weitgehend automatisiert, um die großen Stückzahlen überhaupt realisieren zu können: Keller (Marken: Admira und Rítmo) produziert jährlich mehr als 80.000 Gitarren (klassisch und Flamenco), Alhambra, der zweitgrößte Produzent jährlich 20.000 Stück. Über die Hälfte der Produktion geht davon ins Ausland. Der Preis wird hier weniger durch Namen oder Verarbeitung bestimmt, als durch die Qualität der Decke. In der Regel gilt: je dünner die Decke, desto teurer das Instrument, da das Holz sorgfältiger ausgesucht werden muß und das Risiko eines Rißes während der Produktion größer ist. Und noch ein weiterer Zusammenhang: langsam wachsende Hölzer mit dichter Maserung haben bessere Schwingungseigenschaften und sind weniger anfällig für Risse als schnell gewachsene Hölzer mit großen Abständen zwischen den Jahresringen. Hier nur einige Marken, die, aus meiner subjektiven Sicht, in Betracht gezogen werden sollten: Ricardo Sanchis, Amalio Burguet, Juan Estruch, Francisco Esteve (s. Merkblatt: Gitarrenbauer und Manufakturen in Spanien).

Eine Flamencogitarren muß nicht unbedingt in Spanien hergestellt werden. Japan, das bereits führend beim Bau von klassischen Gitarren ist, produziert in großen und kleinen Manufakturen auch Flamencogitarren mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis. Hier sei nur die Marke Asturias genannt, Gitarren der mittleren und höheren Preis- und Qualitätskategorie. Auch in den USA (vor allem in Kalifornien) gibt es einige Manufakturen, die Flamencogitarren herstellen.

Während bei den Fabrikgitarren Preis und Qualität in einem einigermaßen durchschaubaren Verhältnis stehen, ist auf dem Markt für handgemachte Flamencogitarren Vorsicht angebracht. Namen sind hier heilig und man hat oft den Eindruck, daß es hier weniger um die Instrumente geht, als um die kleinen Etiquetten aus Papier im Innern der Gitarre. Sammler sind oft dazu bereit, für Gitarren, die so aussehen, als hätte man sie als Treibholz am Strand gefunden, utopische Summen zu bezahlen. Für wen die Gitarre allerdings einen Gebrauchsgegenstand darstellt, der sollte nicht den Fehler machen, wenn er eine Gitarre ausprobiert, als erstes auf das Etikett zu sehen. Hier sind ganz andere Kriterien angebracht: Klang, Volumen, Spielbarkeit etc. Handgemachte Gitarren leben vom Kult und von der Wunschvorstellung, der Meister selbst habe mit viel Liebe zum Detail die Gitarre im Schweiße seines Angesichts in wochenlanger Arbeit gebaut. Sicherlich gibt es solche Gitarren, doch sind das für uns Sterbliche doch eher unerschwingliche Instrumente. Gitarrenbauer, die einen Namen haben, wissen, was sie wert sind und sie wissen, was der Markt hergibt. Meist sind es Familienbetriebe, mit vier, fünf weiteren Angestellten, die die Gitarren arbeitsteilig bauen, natürlich wird dabei auch auf die Hilfe von Maschinen zurückgegriffen, nur ist der Automatisierungsgrad dabei nicht ganz so hoch, wie in den großen Manufakturen. Die Preise müssen daher zwangsläüfig höher liegen. In manchen kleineren Werkstätten geht der Konkurrenzdruck auf Kosten der Verarbeitung. Lackfehler sind der erste sichtbare Hinweis auf solche mangelhafte Sorgfalt. Ein handgebautes Instrument für unter DM 2.000,00 kann unserem Klischee von einer Meistergitarre nicht gerecht werden. Das alles heißt nicht, daß ich von handgemachten Instrumenten abrate. Es gibt Gitarrenbauer, die einen sehr hohen Anspruch an sich selbst haben und qualitativ sehr hochwertige Instrumente bauen. Aber das Etikett allein gibt noch keine Sicherheit. Man braucht sehr viel Erfahrung, um eine Gitarre auszuwählen, und vor allem sehr viel Standhaftigkeit, um der Faszination der Namen zu widerstehen.

Trotz allem ist die Auswahl der Flamencogitarre dann doch am meisten vom Angebot abhängig und daher eher Schicksal. In Deutschland wird das Angebot von Alhambra bestimmt. Andere Marken findet man fast nur zufällig gebraucht, ob Valencia-Gitarre oder handgebaut. Aber auch in Spanien selbst gestaltet sich die Suche, nach einer oder mehreren bestimmten Marken sehr schwierig. Musikalienhändler sind in Spanien meist nicht sehr gut sortiert. Falls überhaupt Flamencogitarren vorrätig sind, dann in der Regel die Fabrik-Marke Admira. Handgebaute Gitarren sind auf diese Weise gar nicht zu finden. Es bleibt also nur der beschwerliche Weg von Werkstatt zu Werkstatt bis man sein Instrument gefunden hat. In kleineren Werkstätten ist die Auswahl nicht sehr groß, da die Produktion auf Bestellung läuft und Lieferzeiten in der Regel ein Jahr betragen. Bei den vorgeführten Instrumenten handelt es sich oft um Instrumente, die vom Kunden wegen Mängeln nicht abgenommen wurden. Man kann auch nicht erwarten, daß die ersten Instrumente die angeboten werden, zu den Spitzenleistungen gehören. Bei guten Argumenten kann gehandelt werden. In der Regel wird man eine Gitarre nach seinen Vorstellungen ordern. Vorauszahlungen sind bei Selbstabholern nicht üblich, werden aber bei Verschickungen ins Ausland in der Regel gefordert. Bei der Bestellung sind die wichtigsten Maße und Merkmale anzugeben: Griffbrettbreite, Mensur, Holzarten für Decke, Boden, Zargen, Griffbrett, Hals und Kopf, Metall- oder Holzmechanik, Deckenschoner etc. Ein großes Vertrauen in die Arbeit der Werkstatt wird dabei vorausgesetzt. Trotzdem gibt es keine Verpflichtung zur Abnahme.

 

Saitenlage

Flamencogitarren zeichnen sich gegenüber der klassischen Gitarre durch eine äußerst flache Saitenlage aus. Oft kann die Saitenlage mit einiger Geduld und Arbeit noch verbessert werden, indem der Steg mit Schmirgelpapier niedriger gemacht wird. Dadurch wird nicht nur der Klang und die Ansprechbarkeit der Gitarre verbessert, sondern auch die Spielbarkeit erheblich erleichtert. Der Sattel sollte nicht verändert werden, es sei denn die Gitarre läßt sich nach Herabfeilen des Steges immer noch nur sehr schwer spielen. Auch sollten die Bundstäbchen auf keinen Fall verändert werden, da der erzielte Effekt in einem sehr ungünstigen Verhältnis zum Risiko steht, das dabei eingegangen wird. Für die Annäherung an die optimale Steghöhe wird man mehrere Anläufe brauchen, so daß man sich im Vorfeld bereits mehrere Ersatzstege der entsprechenden Stärke und Länge besorgen sollte. Den Originalsteg sollte man als Bezugsgröße aufbewahren und nicht verändern. Für die Arbeit sollten Saiten mittlerer Spannung aufgezogen sein, die auch bereits einige Woche bespielt wurden. Die optimale Höhe des Steges ist dann erreicht, wenn die Saiten bei mittelstarkem picado-Anschlag gerade noch nicht klirren.